100 Jahre Stadtsoldaten Rheinbach

Karnevalisten sind nicht aus Zucker, und Fastelovendsjecke auch nicht. So war der Regen, der am Sonntagnachmittag den Beginn des großen historischen Festzuges zum 100-jährigen Jubiläum des “Stadtsoldatencorps 1905 Rheinbach”  verzögerte, auch nur ein bisschen lästig. 2000 Aktive aus halb Deutschland von Kiel über Köln bis Bad Neuenahr, mit dem Segen des “Bundes Deutscher Karnevalisten" ausnahmsweise vor Sessionsbeginn in kompletten Uniformen, rund 70 von ihnen hoch zu Ross, und 18 Musikkapellen begeisterten die zahlreichen Schaulustigen am Zugweg in der Rheinbacher Kernstadt.

Einige der Zuschauer hatten sich in historische Gewänder “wie vor 100 Jahren" gekleidet, wie eine Gruppe Frauen der Stadtsoldaten mit einigen Frauen der “Poggendörper 1954 Kiel", oder die KG Lammersdorf 1938 als Hobbyflieger a la  “Quax der Bruchpilot".

“Und die Hände zum Himmel" streckten am Vorabend singend, tanzend und endlos feiernd gut 1000 Jecke und Nicht-Jecke, als sie das Festzelt auf dem Himmeroder Wall zum Beben brachten beim Rheinischen Abend mit den “Paveiern", den “Colörs", Guido Cantz,  und den “Holidays".

Auch die “Mess op platt" am Sonntagmorgen wurde im vollen Zelt gefeiert.

Während am Freitagabend einige hundert Jugendliche bei einer “Mallorca-Party” das Zelt an den Ballermann-Strand verlegten, ging es paralell beim Festkommers in der Stadthalle feierlicher zu. Standing Ovations erlebt der Chef einer Karnevalsgesellschaft wahrlich nicht häufig, zumindest nicht solche zu Ehren der eigenen Person. Anders Willi Hohn, Kommandant des Traditionscorps “Stadtsoldaten 1905 Rheinbach ". Mit stehenden Ovationen anerkannten die Gäste in “Zivil" oder in Uniformen ihrer jeweiligen Gesellschaften seine Verdienste um die Leitung des Corps und insbesondere um die Feierlichkeiten zu dessen 100-jährigem Jubiläum.

Schirmherr Bürgermeister Stefan Raetz sprach mit seiner Festrede vielen Karnevalisten und Nicht-Karnevalisten aus dem Herzen, legte er doch die Finger in die Wunde der Sorgen vieler angesichts der Probleme rund um das eigentliche Karnevalsbrauchtum: Das Zusammenstehen und sich wieder auf die Ziele und Werte der Gründungsväter des Corps zu besinnen werde in Zukunft für die Karnevalisten immer wichtiger, so Stefan Raetz. Insbesondere angesichts der immer stärker werdenden kommerziellen Interessen, der immer mehr um sich greifenden “Köln-Arena"-Mentalität mit Auftritten vermeintlicher Stars im Zehn-Minuten-Takt.

Das sei nicht mehr Karneval, sondern vielmehr “schreckliches Event-Marketing", in dem die Jugendarbeit wie sie die Karnevalsvereine noch pflegen, keinen Platz mehr habe. Dazu gehöre persöhnliches Engagement, wie es zum Beispiel die vielen Aktiven der “Stadtsoldaten" zeigen, deren Kindercorps in diesem Jahr auf 25 erfolgreiche Jahre zurückblicken kann. Raetz forderte die Karnevalisten auf, zur “Normalität" zurückzukehren und mehr auf eigene Stärken und eigene Kräfte zu vertrauen. Das müsse die Devise der Zukunft sein, so der Bürgermeister.

Quelle: Kölnische Rundschau

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